TOXKAL
Verlässliche Toxizitätserfassung aus der Routinedokumentation, über Klinikgrenzen hinweg.
In der Strahlentherapie entscheidet die Verträglichkeit einer Behandlung darüber, wie weit die Dosis gehen darf. Die dafür nötigen Angaben stehen in deutschen Kliniken überwiegend als Freitext in der Verlaufs- und Nachsorgedokumentation: welcher Schweregrad, zu welchem Zeitpunkt, ausgelöst durch welche Therapie. Für Dosis-Wirkungs-Modelle und für den Vergleich der Versorgungsqualität zwischen Häusern müssen sie strukturiert, graduiert und zeitlich eingeordnet vorliegen.
Sprachmodelle können diese Angaben aus Freitext gewinnen. Die eigentliche Hürde liegt woanders. Ein Verfahren, das an einer Klinik gut funktioniert, ist an der nächsten nicht automatisch verlässlich: andere Vorlagen, andere Abkürzungen, andere Dokumentationstiefe. Feststellen ließ sich das bisher erst, nachdem am neuen Standort aufwendig von Hand nachannotiert wurde.
Was wir untersuchen
TOXKAL entwickelt Verfahren, die schon vor dem Einsatz an einer fremden Klinik angeben, welchen extrahierten Angaben man vertrauen kann und welche einem Menschen vorgelegt werden müssen, ohne dass dort von Hand nachannotiert werden muss. Dazu gehört ein Test, der erkennt, wann diese Einschätzung selbst nicht mehr trägt. Eine stillschweigend falsche Verlässlichkeitszusage ist gefährlicher als gar keine.
Wie wir arbeiten
Mehrere lokal betriebene Sprachmodelle werden innerhalb der Klinik auf deren eigene Dokumentation angepasst und gegeneinander gestellt. Aus ihrer Uneinigkeit und aus Kennzahlen über die Dokumentationspraxis entsteht die Verlässlichkeitsschätzung. Geprüft wird gegen ärztlich gesetzte Referenzbewertungen, nach einem vorab festgeschriebenen Verfahren: Die Vorhersage wird versiegelt, bevor die Referenzdaten des Prüfstandorts geöffnet werden.
Datenschutz ist Teil der Architektur
Patientendaten verlassen die Klinik nicht. Die Auswertung läuft in der Infrastruktur des Hauses, zurück fließen ausschließlich geprüfte aggregierte Kennzahlen. Für Entwicklung und Test außerhalb der Klinik verwenden wir synthetische Dokumentation.
Was am Ende herauskommen soll
Ein erprobtes Verfahren samt Produktkonzept, mit dem Ziel, es als Medizinprodukte-Software zur Verfügung zu stellen. Wir wollen außerdem die methodischen Bausteine und einen synthetischen deutschsprachigen Testdatensatz offenlegen, damit andere Gruppen Standortvergleiche durchführen können, ohne Patientendaten zu bewegen.
Auch ein negatives Ergebnis wäre ein Ergebnis. Sollte sich zeigen, dass Verlässlichkeit standortgebunden bleibt, würden wir veröffentlichen, wie viel Nachannotation je Klinik mindestens nötig ist.
Status
Das Vorhaben ist in Vorbereitung. Wir sprechen mit Kliniken, die als Validierungsstandort mitwirken wollen.